Die Natur braucht Freunde – Naturfreunde

Neugründung des Touristenvereins – eine alte Arbeitertradition wird lebendig

"Wir wollen den einfachen Menschen aus der enge der Arbeitsstätte und auch der Kneipe mit geistlosen Würfel- und Kartenspielen herausführen. Licht, Luft und Sonne sind bessere Lebensgeister...", heißt es in einer der ersten Schriften, die von den Naturfreunden herausgegeben wurden. Sie trafen damit den Geist der Zeit.

Allein in Deutschland gab es 1920 mehr als 100.000 eingeschriebene Mitglieder. Zu ihnen gehörten auch die Freunde der Ortsgruppe Görlitz, die etwa um diese Zeit entstand. Exakte angaben fehlen uns leider. Doch wir stehen auch erst am Anfang der Aufarbeitung dieses interessanten Stückes Görlitzer Arbeitergeschichte. Einige Mitglieder von einst leben noch und können eine Menge erzählen: Frieda und Walter Heidrich beispielsweise, die sich bereits 1924 den Naturfreunden anschlossen, Walter Krause, Max Klemt, Otto Raphelt, Inge Leda, deren Vater Willy Koltermann einige Jahre Vorsitzender war, Horst Zöllner, Gerhard Kaiser oder Curt Clemenz.

Mit der "Wende", so scheint es, wurden viele Traditionen über Bord geworfen. Wir aber wollen ein Stück Geschichte wieder lebendig machen, wir wollen:

  • Die Weiterführung der bewährten Traditionen der Naturfreunde und Heimatfreunde;
  • Die Verwirklichung eines sozial verantwortlichen und umweltverträglichen Tourismus zur Erhaltung des Erholungswertes der Landschaft;
  • Eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit von eigenen Publikationen bis hin zu öffentlichen Vorträgen;
  • Den Ausbau internationaler Beziehungen mit dem Ziel der Mitgliedschaft in der "Naturfreunde- Internationale".

Am 28. April 1990 nun gründete sich die Ortsgruppe Görlitz neu.

Herzlich begrüßte Gäste bei der Gründungsversammlung kamen aus der Partnerstadt Wiesbaden: eine Sportdelegation unter der Leitung von Stadtrat Klaus Bensdorf überbrachte die Glückwünsche von OB Achim Exner, Journalistenkollege Ullrich Zink berichtete für das "Wiesbadener Tagblatt", und ganz besonders freuten wir uns über Franz Deuter, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Wiesbaden und seinen Sohn Peter-Rene, der die Jugendklettergruppe der Wiesbadener Naturfreunde leitet.

Franz Deuter war es auch, der für eine besondere Überraschung sorgte: den anwesenden alten und nun wieder "jungen" Naturfreunden Walter Krause, Inge Leda und Otto Raphelt überreichte er das Goldene Naturfreundeabzeichen für ihre über 60- jährige (zwangsweise ja ruhende) Mitgliedschaft. Über 40 Mitglieder zählt der neue Verein, der sich in erster Linie das heimatkundliche Wandern zu Fuß, mit Rad oder Ski auf die Fahnen geschrieben hat.

Doch damit noch lange nicht genug, meint der "frischgebackene" Vorsitzende Dieter Holtzsch. Angedacht sind spezielle Gruppen, z.B. für Wegemarkierung, Naturfotografien, Heimatkunde, Diavorträge der "alten Hasen", Senioren- und Jugendgruppen entstehen , wir fördern die Familientouristik, zwei Schaukästen auf der Elisabethstraße informieren über das Neuste in Sachen Naturfreunde.

Eine Broschüre über Geschichte und jüngste Gegenwart der Ortsgruppe, gewürzt mit vielen Wandertips, soll 1991 erscheinen. Und wir hoffen, daß wir auch bald ein neues Naturfreundehaus unser eigen nennen können. Sicherlich nicht so schön wie im Isergebirge, dafür aber in den "hauseigenen" Bergen. Die beiden Naturfreunde-Ortsgruppen in Wiesbaden übrigens übernahmen die Patenschaft über die alte neue Ortsgruppe. Interessenten sind herzlich willkommen. Denn unser Motto gilt auch für Görlitz: "Die Natur braucht Freunde – Naturfreunde!"

In diesem Sinne

"Berg frei!"

Thomas Fiedler (SZ Mai 1990)

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